Elope wühlten sich in der Schaubude durch die Vorgärten der Rockhistorie
Kiel – Langsam, aber sicher drückt die Überportion: Von weißer Weihnacht keine Spur, trotzdem Punsch, und wer in der Geschäftigkeit des Konsumwahns vor dem Mehrwertsteuer-Gau Besinnliches entdeckt, der ist entweder verrückt oder zu beneiden für seine Gemütsverfassung. Abschalten. Einfach nur abschalten. Und da kommt das Konzert der Kieler Noise-Rock-Formation Elope in der Schaubude mehr als gelegen.
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Rockten ohne viel Federlesen auf den Punkt: Elope
Foto Bevis
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Es ist ein trüber Dezemberabend. Elope waren eine zeitlang aus der hiesigen Musikerszene nicht wegzudenken und Gott allein weiß, wie lange diese Truppe tatsächlich schon ihr (Un-)Wesen treibt. Gerüchte sagen, dies sei seit 1999 der Fall. Dass es sie immer noch gibt, scheint umso verwunderlicher, verdingen sich die Hauptakteure der Band doch vorwiegend in anderen Combos wie Leda & the Swan oder Schall & Rauch. Erkenntnis: Elope is not dead. Auch schön, machte die Band mit dem seltsamen Namen in der Vergangenheit doch so manches Mal von sich reden, stockte ihre Besetzung vor zwei Jahren mit Jewu Wendt an der Gitarre und nunmehr durch den zweiten (!) Schlagzeuger Lars auf. Eine weise Entscheidung, wie der Sound bezeugt.
Die Besucherzahl stimmt, und schon hat der Fünfer losgerockt. Es drückt von Beginn an, die Drummer sind vorbildlich aufeinander eingespielt und rocken tight und unisono die Nummern. Weather Song oder auch Sad Song kommen in diesem Gewand betörender daher als alles, was Elope vorher gemacht haben. Elope krauten und rüben sich darüber hinaus durch die Vorgärten der Rockhistorie, sparen kaum eine Dekade aus, jedoch mit klarer Vorliebe für die Siebziger. Der gewöhnungsbedürftige Gesang Jan Salvadors mag nicht immer passen, doch im Gegensatz zu früheren Performances groovt Bassist Eike sich dafür stimmig in das Rhythmus-Gemeter, ohne jenen gewollt-garagenmäßigen Rumpelfaktor auszusparen.
Dementsprechend krachend kommen die Arrangements der Nordlichter daher, erinnern an den Genuss von Kochwurst: ein wenig zu fettig, ein wenig zu mächtig, dazu grob in der Konsistenz – und ob man sich nach dem Verzehr gut fühlt, ist von der Tagesform abhängig. Ein Klarer wirkt hier Wunder. Und den kredenzen Elope in Form des Songwritings. Ohne viel Federlesens wird hier auf den Punkt gerockt, mancher Refrain hat Hookline-Qualität. Band, Fans und Neugierige haben Spaß. Denn Elope machen heute Abend alles richtig.
Von Carsten Purfürst
Quelllink: http://www.kn-online.de/news/archiv/?id=2025907
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